Woher kommen sie, alle diese Geschichten?

Heute möchte ich auf Fragen einer Leserin eingehen, die mich manchmal selber ins Grübeln bringen.

Woher nimmst du deine Ideen? Wie entstehen die Geschichten?

Kurz erklärt könnte ich diese Fragen wohl so beantworten: Die Ideen stammen aus meinen Gedanken. Die Geschichte ist nur noch ein kreatives Puzzle – ein Zusammensetzen der einzelnen Eingebungen.

Leider ist das Ganze viel komplexer. Einem Kind würde ich es wohl so erklären:

Es passiert einfach.

Das wäre nicht einmal gelogen, denn normalerweise schleicht sich still und leise eine wage Grundidee ein. Damit meine ich keinen fixfertigen Inhalt, vielmehr ein sehr grobes Grundgerüst, auf dem ich nach und nach weitere Ideen aufbaue. Manchmal helfen Filme, Bücher und Musik. Nicht, dass ich bewusst nach irgendetwas suchen würde. Auch da: Es geschieht einfach. Ohne Vorwarnung.

Irgendwann ist der Ideenturm so hoch, dass er gefährlich ins Schwanken gerät. Die Gedanken werden stärker und stärker und fangen an, mich immer öfters zu verfolgen. An diesem Punkt angelangt muss ich eine Entscheidung treffen. Will ich den Turm zusammenfallen lassen oder bringe ich die angedachte Idee zu Papier? Wenn ich mich für Letzteres entscheide, fängt die ganze Arbeit erst richtig an. So oft wie möglich stehle ich mir ein paar Minuten Zeit und schreibe. Morgens, zwischen Kaffee und Müesli. Abends, zwischen Sport und Bücher. Nachts, zwischen Träumen und Wecker. Egal wo, egal wann. Selbst wenn ich wollte, würde es nicht anders gehen. Die Idee sind laut. Die Angst vor dem Zerplatzen des Kopfes, wenn ich nicht geschrieben habe, noch lauter. Abschalten geht nicht mehr.

Die schwierigste und zugleich spannendste Phase kommt dann, wenn die Protagonisten anfangen ihr Eigenleben zu führen. Ich will das, sie wollen etwas anderes. Ja, das kann tatsächlich passieren. Viel öfter, als man sich das vorstellen kann. Wie in Trance schreibe ich Wort für Wort und am Schluss frage ich mich, wer das alles geschrieben hat. Woher sind alle diese Sätze plötzlich gekommen?

Deshalb ist die ehrlichste Antwort auf die Fragen nach der Entstehung meiner Geschichte wohl auch die unbefriedigendste:

Es passiert einfach.