Was sind schon 20 Minuten?

Meine Motivation ist dem verfrühten Winterschlaf verfallen und meine Inspiration spielt gerade Verstecken. Echt mühsam, wenn man eigentlich ein Buch zu Ende schreiben möchte.

Die hartnäckigen Damen aus meiner Schreibgruppe haben gesagt: „Schreib. Zwanzig Minuten pro Tag. Egal was. Hauptsache du schreibst.“ Das soll meine Motivation und Inspiration wachrütteln und aus ihren Verstecken locken. Ich weiss, dass sie Recht haben. Ich weiss, dass ich mir durchaus zwanzig Minuten täglich freischaufeln kann. Anstatt mich abends vor die Glotze zu pflanzen, kann ich auch schreiben. Sind ja nur zwanzig Minuten, mein Gott. Kann ja wohl nicht so schwierig sein. Ausreden habe ich dennoch genügend parat…

„Würde ich Zug fahren, dann…“

„…würdest du schlafen oder dich nicht konzentrieren können oder eben die Gratiszeitung 20 Minuten lesen.“

„Kann sein. Aber hätte ich länger Mittagspause, würde ich…“

„…dann würdest du dich zum Mittagessen verabreden, eine Shoppingtour drehen oder ein Nickerchen machen.“

Okay, ich gebe mich geschlagen. Die Schreibgruppe hat gewonnen. Dafür ist sie da – sie zwingt mich zu meinem Glück und duldet keine Widerrede.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass zwanzig Minuten bereits um sind. Aha, geht doch. Einen Tritt in den Hintern hat noch niemandem geschadet.