Vom Chef sein

imageManchmal stehe ich mitten in der Arena, zwischen zwei Menschen, die sich streitlustig anstarren. Ich schlichte, höre zu, versuche neutral, tolerant und ruhig zu bleiben. An anderen Tagen klopfe ich mit stolz geschwellter Brust auf Schultern, klatsche begeistert in die Hände und lache lauthals. Mit gestrecktem Zeigefinger tadle ich, kontrolliere, lobe, empfehle, weise Zurecht oder schlage auch mal einen härteren Tonfall an. Ich biete Motivation, Ratschläge, Verständnis und Hilfestellung. Ich erwarte das gleiche, werde enttäuscht, überrascht oder beeindruckt. Ich versuche alles richtig zu machen und dabei allen gerecht zu werden, nur um festzustellen, dass das niemals möglich sein wird. Ich beobachte aus diversen Blickwinkeln, hinterfrage, zweifle, verbessere und fange wieder von vorne an. Ich gewinne, scheitere, stürze tief, steige auf und verliere. Ich gebe den Ton an, lasse mich in Schranken weisen, werfe alles über den Haufen, breche aus, erobere die Welt und stecke den Kopf in den Sand. Ich versuche streng und konsequent zu sein, aber trotzdem Offenheit und Menschlichkeit zu bewahren. Das und vieles mehr, stellt sich uns tagtäglich als grosse Herausforderung in den Weg. Nicht nur Lehrer, Schiedsrichter, Freunde, Polizisten, Kinder und Eltern haben damit zu kämpfen, sondern auch Menschen wie ich, die nie darum gebeten haben und dennoch zu dem geworden sind, was viele wollen, aber wenige wirklich gut können: Vorgesetzte.

Seit ich selber in dieser Rolle den Arbeitsalltag meistere, wünsche ich allen Vorgesetzten nur etwas: Fähigkeit und Gespür.
Die Fähigkeit, die Balance zwischen Geben und Nehmen zu halten. Und das Gespür für Menschlichkeit, Toleranz, Herz und Verstand. Und nicht zu vergessen: Talent und Intelligenz, Mitgefühl und Verständnis.
Hoch die Kaffeetassen – auf klare Köpfe, bedachte Handlungen, starke Nerven und ein noch stärkeres Rückgrat.