Tagträume

nightthinking-daydreamingThat’s me! Als ich diesen Text las, fühlte ich mich sofort angesprochen. Manchmal bin ich so. Nein, eigentlich bin ich immer so. Ständig habe ich Ideen im Kopf. Neue Sätze für mein Buch, neue Geschichten, kreative Zeichnungen. Wenn ich zeichnen könnte, würde ich wohl ständig ein Notizbuch gefüllt mit Kritzeleien mit mir herum tragen. Da ich zeichnerisch leider absolut talentfrei bin, ist mein Notizbuch voller Wörter und Sätze. Dafür reicht die Zeit tagsüber gerade noch. Für ein paar einzelne Worte. Alles andere wird konsequent verschoben – auf später. Aber wann ist denn eigentlich später? Richtig, für mich ist später nach der Arbeit, nach dem Abendessen und nach dem Sport. Für mich ist später dann, wenn sich andere unter die Bettdecke kuscheln und auf eine traumlose, erholsame Nacht vorbereiten.

Wovon ich tagsüber träume, daran denke ich nachts. Genau diese Tagträume rauben mir den Schlaf. Mühsam, denken wohl einige von euch. Ich selber finde meine nächtlichen Eskapaden gar nicht so schlimm. Nachts ist es ruhig. Nachts hat niemand Fragen. Nachts will niemand Small Talk führen. Nachts ist sogar in der Social Media-Welt tote Hose. Nachts gibt es nur mich und meine Gedanken. Wir spielen zusammen. Wir unterhalten uns. Wir verstehen uns einfach. Worte, die untertags einfach so dahingesagt werden, bekommen nachts einen ganz anderen, viel tieferen Sinn. Dann, wenn man endlich mal Zeit hat sich wirklich darüber Gedanken zu machen, dann ändert sich vieles. Ich liebe die Nächte.

Träumen kann ich schon seit Jahren nicht mehr und von Zeit zu Zeit habe ich mich gefragt, wo meine Träume wohl abgeblieben sind. Als ich noch träumte, erlebte ich halsbrecherische Abenteuer, rettete auf einer Wolke sitzend die Welt oder ertrank lächelnd in der Badewanne. Irgendwann haben die Träume einfach aufgehört. Jeden Morgen wache ich auf und weiss nicht mehr, was und ob ich überhaupt geträumt habe. Ganz ganz selten – und damit meine ich höchstens 1x pro Jahr – kann ich mich sehr wage an kleine Bruchstücke erinnern, jedoch nur so lange, bis ich den Wecker abgestellt und das Bett verlassen habe. Wann habe ich wohl aufgehört zu träumen? Vermutungen gibt es einige, aber eine richtige Antwort habe ich bis heute auf diese Fragen nicht gefunden. Warum ist das so, warum träume ich nicht mehr? Wahrscheinlich weil ich entweder zu wenig schlafe, um überhaupt in die Traumwelt eintauchen zu können, oder weil für mich zu später Stunde schlichtweg keine Träume mehr verfügbar sind.

Ich bin eine Tagträumerin – da bleiben nachts keine Träume mehr übrig.